Ein erster Schritt
(1) “Nachwuchs kam in Scharen” hat offensichtlich viele Leser brennend interessiert und sie bewogen uns eMail-Anfragen zu schicken. Es ist einfacher, einen Kommentar zu den jeweiligen Fragen zu schreiben, der dann durch die Redaktion dieser Website beantwortet wird.
Nun zum ersten Schritt dieses Konzeptes:
Der Chorverband NRW bietet ein in Deutschland einzigartiges Konzept der musikalischen Frühförderung an: “Toni im Liedergarten”! Lange haben wir überlegt, ob wir dieses Konzept umsetzen können und mit welchen Mitteln. Immer noch war im Ohr, dass die Eingangsvoraussetzungen mit einem erheblichen Kostenaufwand für den jeweiligen Initiator verbunden ist, was sich aber durch eine intensive Recherche als falsch herausstellte. Die Kosten des Liedergartens betragen im Monat, nach der Empfehlung des Chorverbandes, für 1 Kind (incl. Mutter) 19,– EURO, wobei die Liedergartenleiterin im Monat 150,– EURO bekommt. Bei also 10 Kindern stehen diesen Kosten Einnahmen von 190,– EURO gegenüber. Das bedeutet einen Überschuss von 40,– EURO. Natürlich muss hier die Abwicklung durch den Träger des Liedergartens übernommen werden, was aber ein geringes Problem ist.
Im Verlaufe der Kreischorleiter-Tagung in Sendenhorst am 15.09.2007 bestätigte der Präsident des Chorverbandes NRW, Hermann Otto, dass jeder neu eingerichtete Liedergarten, der in der Trägerschaft eines Mitgliedschores steht, künftig durch den Chorverband NRW zusätzlich subventioniert wird (vorbehaltlich des Beiratsbeschlusses).
Leider waren dort nur zwei von sechs Kreischorleiter aus der Region Niederrhein vertreten. Wie sollen Chöre dabei an diese Informationen kommen, wie an anderer Stelle (Kreischorleiter-Tagung 2007) durch Komentare beklagt wurde.
Also faßten wir den Mut und initiierten eine erste Liedergartengruppe. Schnell war eine Liedergartenleiterin gefunden und mit ihr die entsprechenden Konditionen abgeklärt. So konnte unser “Schnupperliedergarten” geplant und vorbereitet werden. Es kamen viele Mütter mit kleinen Kindern, um sich zu informieren. Sie waren begeistert und meldeten sich fest an.
Die bekanntlich beste Form der Werbung ist die “Mund zu Mund Propaganda”. Das war auch hier der Fall. Eine große Anzahl von Eltern fragten plötzlich nach einem “Liedergarten” und “Toni” wurde zu Leitfigur. Eltern singen jetzt mit ihren Kleinkindern wieder zuhause. Bald wurde, bedingt durch eine steigende Nachfrage, die Einrichtung eines zweiten und dritten Liedergartens notwendig.
Nachdem nun alle Liedergärten sich eine Zeit lang erfolgreich etabliert hatten, besuchten die Cantare-Sängerinnen, nach Absprache mit den Liedergartenleiterinnen und den Eltern, die Kinder zu einem Kaffee-Nachmittag. Kinder und Mütter zeigten den Sängerinnen was sie gelernt hatten und Cantare zeigte den Kindern was sie so machen.
Schnell war natürlich dadurch eine Kommunikationsebene zu den Liedergarten-Müttern gefunden. Bewußt wurde darauf geachtet, diese Mütter nicht verbal zu vergewaltigen zur Probe zu kommen und alle unsere Vorzüge anzupreisen.
Nicht schlecht staunte der Cantare-Vorstand, als sich zur nächsten Probe 3 Mütter aus den Liedergärten für den Chor interessierten und auch später als feste Mitglieder geblieben sind. Durch Gespräche filterte sich dann heraus, welche Gründe für diese drei Mütter dazu geführt hatten, in einem Chor singen zu wollen und was sie von diesem Chor erwarten:
1. Die Erfahrung des Singens mit den Kindern machte Spaß und hat etwas Befreiendes, etwas Wohltuendes.
2. Einige waren neu zugezogen und suchten Anschluss an eine örtliche Gemeinschaft.
3. Die Auswahl der zeitgemäßen Literatur machte Spaß und holte Erinnerungen an ihre Jugendzeit zurück – Sie konnten sich in der Musik wiederfinden (Hier wurde nicht von einem Kulturauftrag gesprochen oder darauf hingewiesen, dass das deutsche Volkslied gepflegt werden müsse)!
4. Als sehr angenehm wurde auch die nicht “vereinsmeierische” Atmosphäre in der Probe festgestellt (Ein schon öfter besprochenes soziologische Problem).
Das machte Mut und motivierte den Chorleiter und Cantare-Vorstand sich auf eine weiterführende Konzeption einzulassen.
Wenn man diesen Artikel liest, könnte man so zu neuen Ufern aufbrechen. Es gehören aber auch Vorstände dazu, die bereit sind, ein solches Konzept mit auf die Beine zu stellen. Manchmal frage ich mich, ob die hilferufenden Chöre und Chorleiter überhaupt eine Veränderung wollen oder in der Tradition weiterleben möchten. Wir kochen ja heute auch nicht mehr auf einem Kohleofen, nur weil er zur Tradition gehört. Klasse Beitrag!